Die Blutegeltherapie

 

 

 

Die Blutegeltherapie gehört zu den ältesten und besonders bewährten medizinischen Therapien. Bereits die Ägypter in der Pharaonenzeit kannten die heilende Wirkung der Blutegeltherapie, deren Geheimnis im Speichel der Blutegel liegt. Auch heute sind noch lange nicht alle Wirkstoffe im Speichel der Blutegel bekannt. 

 

Durch den Biss des Blutegels werden auf den Menschen eine Reihe von heilenden Substanzen übertragen. Die meisten dieser heilenden Substanzen können bisher künstlich nicht hergestellt werden. Das Prinzip dieser Therapie ist einfach: auf die schmerzenden Gelenke, die angespannten Muskeln etc. werden einige Blutegel angesetzt.

 

Blutegel haben – ganz anders als die anderen Blutsauger im Tierreich -  eine einzigartige Strategie in der Evolution entwickelt. Sie nützen ihrem Wirt der ihnen Blut «schenkt». Im Gegenzug erhält der Mensch einen Cocktail hochwirksamer natürlicher Stoffe. Vielleicht hast du es schon in einem Tierfilm gesehen, erkrankte oder verletzte Tiere suchen intuitiv Tümpel auf und lassen sich dort von Blutegeln Blut «abnehmen». Der Blutegel sorgt für seinen Wirt. Und das Tier kommt bei nächster Gelegenheit wieder.

 

Ist die Therapie mit Blutegeln bewährt? 

Die Blutegeltherapie ist eine der ältesten Behandlungsmethoden der Medizin. Bereits in der Antike wurden Blutegel bei Gelenkerkrankungen, Schmerzen und Krämpfen, Kopfschmerzen, Erkrankungen der Ohren und inneren Organe sowie bei schweren Verletzungen eingesetzt. Heute ist die therapeutische Wirksamkeit von Blutegeln wissenschaftlich für eine Vielzahl von Beschwerden z.B. Kniearthrose – gut belegt. 

 

Ist die Anwendung von Blutegeln sicher und ungefährlich für den Menschen?

Sachkundig und richtig durchgeführt, ist die Blutegeltherapie eine risikoarme und sehr natürliche Methode. Da jeder Blutegel nur einmal am Menschen angesetzt wird, kann es nicht zu einer Übertragung von Krankheiten von Mensch zu Mensch kommen.

 

 

 

Bei welchen Erkrankungen ist die Blutegeltherapie besonders zu empfehlen?

  • Arthrosen (Gelenkverschleiss)
  • Erkrankungen der Sehnen und Sehnenansätze, sowie bei verspannten Muskeln 
  • Rückenschmerzen (Schmerzen der Halswirbelsäule und Lendenwirbelsäule)
  • Hörsturz und Tinnitus
  • Schmerzhafte Krampfadern
  • Myogelosen (schmerzhafte Verspannungen der Muskulatur)
  • Fibromyalgie-Syndrom oft in Kombination mit Hypnose
  • Blutergüsse (Hämatome)
  • Gicht
  • Hämorrhoiden
  • Krampfader-Leiden

 

 

 

Arthrosen (Gelenkverschleiss) 

 

am Kniegelenk, Schulter, Handgelenk, Daumen und Fingergelenke, Sprunggelenk und Zehengelenken

 

Bei einer Arthrose ist der Gelenkknorpel teilweise zerstört. Auch durch Blutegeltherapie kann dieser nicht vollkommen wieder aufgebaut werden. Allerdings kommt es in einem Arthrose-Gelenk auch zu einer Entzündung und einer Schwellung der Weichteile. Diese führen dann zu starken Schmerzen im Gelenk. Diese Begleitentzündungen einer Arthrose kann die Blutegeltherapie lindern oder gar beseitigen. Während einer Blutegelbehandlung werden mehrere Blutegel an besonders schmerzhafte Stellen rund um das erkrankte Gelenk angesetzt. Die Blutegel beissen sich mit sehr feinen Zähnchen durch die Haut. Das Gefühl ist vergleichbar mit einem Mückenstich oder mit dem Schmerz bei der Blutabnahme. Nach einer Saugzeit von ca. 1 Stunde fallen die Blutegel von selbst ab. 

 

Nach einer Zeit von ca. 15-30 Minuten wird ein dicker aber lockerer Verband angelegt. Das Nachbluten soll durch den Verband nicht behindert werden, da es wesentlich für den Behandlungserfolg ist. Am nächsten Tag werden die Bissstellen kontrolliert und der Verband gewechselt. Wichtig ist, dass das behandelte Gelenk in den nachfolgenden Tagen nicht stark belastet wird. Auch ist es sehr wichtig, dass an den Bissstellen nicht gekratzt wird, damit es zu keiner Hautinfektion kommt.  Wenn das schwer fällt, hilft ein Pflaster um das unabsichtliche Kratzen zu vermeiden. Die Krusten fallen nach einer Woche von alleine ab. 

 

Bei der überwiegenden Zahl der Patienten mit einer Arthrose kommt es bereits nach der ersten Behandlung zu einer erheblichen Besserung der Beschwerden. Im Falle unzureichender Linderung der Beschwerden kann man binnen Wochen die Behandlung wiederholen. 

 

Die Wirkung einer Blutegel-Therapie bei Arthrose hält über viele Monate an. Laut einer Studie am Knie, hatte jeder 2. Patient eine positive Wirkung die länger als 6-12 Monate andauerte. Während dieser Zeit ist das behandelte Gelenk viel besser beweglich und auch viel belastbarer. So kann man auch die Einnahme der Medikamente, die oft erhebliche Nebenwirkungen haben, vermeiden. 

 

Auch bei weit fortgeschrittenen Arthrosen ist die Behandlung mit Blutegeln noch wirksam. Auf diese Weise kann es gelingen eine Operation mit künstlichem Gelenk zu vermeiden oder zumindest weit aufzuschieben. 

 

 

Bitte plane bei einer Blutegelbehandlung viel Zeit ein, es ist wichtig, dass diese ohne  Druck und Hektik ablaufen kann. Die Natur regelt den Rest. 

 

 

 

 

   Erkrankungen der Sehnen und Sehnenansätze, sowie bei verspannten Muskeln

 

 z.B. Entzündung der Sehnenscheiden, Tennisarm, Erkrankungen der Schultersehnen, Muskelschmerzen nach Überlastung oder bei Fehlhaltung

 

 

 

 

 

Gicht

 

Blutegeltherapie ist eine hervorragende zusätzliche Möglichkeit bei der Behandlung der Gichtpatienten.  Rund 95% der Gicht-Patienten leiden an einer ungenügenden Fähigkeit, die im Blut gelöste Harnsäure auszuscheiden. Bei diesen Patienten kann der Konsum von Fleisch oder Innereien bereits zu einer Erhöhung der Harnsäure im Blut führen. Während der Blutegelbehandlung kommt es zu einem kleinen Blutverlust von ca. 20-40 ml. Blut pro Blutegel. Dieser Blutverlust entwickelt sich langsam. Besonders wenn der Patient viel trinkt, wird dieser Blutverlust schnell ausgeglichen. Dabei sinkt die Konzentration der Harnsäure im Blut. 

 

Allerdings ist die Blutegeltherapie für Gichtpatienten, wo Gicht aufgrund von Tumorleiden auftritt, aufgrund des Blutverlusts ungeeignet. 

 

 

 

 

 

      Hämorrhoiden

 

Die Wirkstoffe der Blutegel führen zu einer Druckentlastung in den Blutgefässen des Enddarms. Die den Blut-Stau hemmende Wirkung des Blutegelsekrets vermindert die Gefahr weiterer Thrombosen in den äusseren Venen des Afters.

 

Äussere Hämorrhoiden, die sich erst kürzlich gebildet haben, können durch eine fachgerechte Blutegelbehandlung abschwellen und wesentlich weniger schmerzen. 

 

Da die Wirkung der Blutegel den gesamten Blutkreislauf betrifft  (Blutverdünnung, Entstauung der Blutgefäss im Enddarm-

bereich …) ist es nicht notwendig die Blutegel direkt am Enddarm anzusetzen.

 

Die Blutegel werden dabei einfach im Bereich des Steissbeins oder des unteren Kreuzbeins angesetzt. Wichtig ist, dass vor einer Behandlung des Hämorrhoidal-Leidens mit Blutegeln, stets andere Erkrankungen des Darms durch einen Facharzt ausgeschlossen sein müssen. 

 

 

 

Hörsturz

 

Ein Hörsturz ist eine plötzliche, ohne klar erkennbare Ursache, auftretende Verminderung der Fähigkeit im Ohr den Schall zu empfinden - eine Schallempfindungsstörung. Dabei kann es sich um eine leichte Einschränkung der Hörfähigkeit bis zum völligen Verlust der Hörfähigkeit handeln.

 

Meistens ist nur eine Seite davon betroffen. In schweren Fällen kann der Hörsturz auch von einem Schwindelgefühl  bzw. Gleichgewichtsstörungen begleitet sein. Die Hörstörung beim Hörsturz muss im Innenohr und / oder im Hörnerv liegen. 

Ein Hörsturz ist nicht schmerzhaft. Es geht oft ein Druckgefühl auf dem betroffenen Ohr und ein Ohrgeräusch (Tinnitus) voraus.

 

Es gibt für den Hörsturz keine kausale Therapie. In der Schulmedizin wird der Hörsturz mit einer hohen Dosis an Cortison behandelt.

 

Die Therapie mit Blutegeln verbessert die Fliesseigenschaften des Blutes. Darüber hinaus haben die Wirkstoffe im Speichel des Blutegels eine entkrampfende Wirkung. Diese bewirken eine Linderung und Besserung der Hörfähigkeit. 

In den meiste Fällen werden 2 Blutegel angesetzt. Der 1. Blutegel wird auf den Warzenfortsatz (Mastoid) hinter dem Ohr gesetzt. Der 2. Blutegel wird meist unmittelbar vor dem Ohr in den Kieferwinkel gesetzt. 

 

 

 

 Krampfader-Leiden

 

Das Krampfader-Leiden ist seit Jahrtausenden ein bewährtes Einsatzgebiet der Blutegeltherapie. Im deutschsprachigen Raum leidet ca. jeder 10. Erwachsene an einer klinisch bedeutsamen Erkrankung der Beinvenen. 

 

Krampfadern sind Erkrankungen der oberflächlichen Beinvenen. Beim Krampfaderleiden auch Varicosis genannt, verlaufen die oberflächlichen Venen im Bein stark gekrümmt. Eine der Hauptursachen für Krampfaderleiden ist Bindegewebsschwäche und daraus resultierende Venenschwäche. Bei einer Venenschwäche erweitern sich die Venen und die in den Venen befindlichen Klappen können nicht mehr dicht schliessen. In einer solchen Vene fliesst das Blut nicht nur in Richtung Herz ( Venen transportieren das verbrauchte Blut nach oben zum Herz) sondern das Blut fliesst auch wieder rückwärts in Richtung Fuss.

 

Solche Venen erweitern sich dann noch mehr und es entsteht eine Krampfader. Durch den gestauten Blutfluss kann es in den oberflächlichen Venen des Beines, zur Bildung von Blutgerinsel (Thrombosen) kommen. Solche oberflächlichen Thrombosen entzünden sich dann oft und sind recht schmerzhaft. 

 

Durch den Einsatz von Blutegeln erreicht man eine sehr rasche Minderung der Schwellungen und die Verminderung des Schweregefühls in den Beinen. Auch lindert die Blutegel-Behandlung die Schmerzen in den knotig verdickten Venen.

 

Bei Venenentzündung lindert die Therapie sehr gut die Entzündungsbedingten Schmerzen und Schwellungen. Bei fortgeschrittenen Krampfaderleiden sammelt sich viel Flüssigkeit in der Nähe der Krampfadern. Gegen diese Flüssigkeitsansammlung wirkt die Blutegeltherapie sehr gut.

 

Es bleibt anzumerken, dass die Blutegeltherapie sehr sinnvoll zu Entstauung und Schmerzlinderung bei schweren Beinen ist. Die oberflächlichen Venenknoten kann sie allerdings nicht beseitigen. 

 

Sie kann keineswegs die Funktion der Venen wieder ganz normalisieren oder die kosmetisch störenden Krampfadern beseitigen. Die Blutegelbehandlung der Krampfadern sollte nicht an sehr warmen oder gar heissen Tagen geschehen.

 

Die Blutegel werden dabei präzise neben einer sichtbaren oder tastbaren Vene plaziert. Niemals direkt auf die Krampfader. Ebenfalls können die Blutegel am Kreuzbein angesetzt werden, so wirkt die Behandlung auf den gesamten Körper.

 

Es können zwischen 4-6 Blutegeln während einer Behandlung angesetzt werden. Grundsätzlich kann eine Blutegelbehandlung frühestens in 4-6 Wochen wiederholt werden.